Abends sehe ich mir "die grösste Schau der Welt" an. Die Egypter nennen das "Son et Lumiere". Präsident Nasser hat am 13. April 1961 persönlich die Eröffnungsrede gehalten.
Abends, nach des Tages Wärme, ziehen die Touristenschwärme an der Wüste Rand. Dort dann lauschen sie auf Stühlen jenen Ton- und Zauberspielen, die als "Son und Licht" bekannt. "Was wird kommen?" hört man's munkeln, während schon die Sterne funkeln über'm Pharaonental. Jeder blickt nur auf das Eine - auf die Pyramidensteine, und das Warten wir zur Qual. "Was wird uns die Sphinx wohl sagen? Was sind König Cheops' Klagen? Was hat Chefren einst erlebt?" Und man lehnt sich an die Stühle. Mancher zittert in der Kühle während sich ein Wind erhebt.
Doch nun öffnet sich die Szene! Metro-Goldwyn-Meier-Töne hallen kraftvoll durch die Nacht. Über viele Megaphone spricht dann eine Amazone von der Phraonenpracht. Heute soll zu neuem Leben sich die alte Welt erheben. Technisch zeichnet "Philips France". Was bisher noch nie gelungen wird in Dur und Moll besungen. Lauscht dem Pharaonentanz! Während so die Töne schwellen in der Nähe Hunde bellen. Eine Lady will schon gehn.
Plötzlich fällt aus vielen Lampen grelles Licht auf jene Rampen, wo die Pyramiden stehn. Zahlreich sind die Lichteffekte, die man für die Sphinx entdeckte. Ganz verlegen schaut sie drein. Und es staunt der Mond am Himmel über all das Farbgewimmel auf dem sonst so bleichen Stein.
Viel Papyr und Hieroglyphen mussten weise Männer prüfen. Und nun spielt man es vom Band, wie die Pharaonen hausten, wie sie liebten, wie sie schmausten hier in diesem Land. Wie sie kämpften, wie sie litten, wie sie schossen wenn sie ritten, wie sie starben ab und an.
Eine Stimme tönt voll Jammer aus Herrn Cheops Grabeskammer, und Herr Chefren schliesst sich an. Bald verhallen Geisterrufe an des Totentempels Stufe, und der Pharao erscheint. Hei, da jauchzt des Volkes Menge! Und man spürt, dass das Gedränge fast das Tonband bersten lässt. Welch ein Schreien, welch ein Jubel! Hufe klappern in dem Trubel. Welch ein Kitsch ist dieses Fest!
Doch es soll noch besser kommen; denn die Sphinx, vom Lärm benommen, meldet sich zum Wort. Ringsum wird es Nacht und Schweigen, und die Sphinx die muss nun zeigen wie der Schmerz noch in ihr bohrt. "Liebster!" stöhnen ihre Lippen, und ganz rot sind ihre Rippen als von Cäsar sie erzählt. Und der Cäsar spielt die Leier zur Musik von Goldwyn-Meier bis er sich mit ihr vermählt. Ja, in jenen Zeiten hatte man noch Oberweiten. Seht Euch doch die Sphinx mal an! Auch die schöne Nefertit singt da noch ein Liedchen mit, seufzend dann und wann.
So vergeht fast eine Stunde bis die Pharaonenkunde intensiv verbreitet ist. Dann verfinstert sich die Stätte, und ich halte jede Wette: Es war grosser Mist!
Es war einmal ein König in Tonga der hatte eine Frau namens Fatafehi. Fatafehi hatte eine Magd die Manuna hiess, und die beiden waren sehr gute Freundinnen. Solche Beziehung zwischen Herrin und Dienerin ist recht ungewöhnlich. Aber die Zuneigung und Freundschaft dieser beiden Frauen war wirklich echt. Ohne zu zögern dürfen wir dabei an die Beziehung zwischen König David und Jonathan denken, über die wir in der Bibel nachlesen können.
Aber so wie die Schlange in den Garten Eden kroch und das glückliche und friedliche Leben von Adam und Eva zerstörte, so schlich sich die Wollust ein und zerstörte das glückliche und friedliche Leben der beiden Freundinnen.
Manuna war eine sehr schöne Frau, und der König von Tonga beobachtete sie wenn sie hin und her lief und die Königin bediente. Die Wollust befiel sein Herz und wurde wie eine Krankheit. Nachts konnte er nicht schlafen, weil er an Manuna denken musste. Die Sehnsucht nach ihr nagte an seinem Herzen und hielt ihn wach.
Eines Abends hatte Manuna ihre Pflichten für die Königin erfüllt. Sie hatte das Bett zubereitet und sah Fatafehi einschlafen. Dann zog sie sich in ihr eigenes Schlafgemach zurück. Dort wartete bereits der König auf sie und zwang sie ihm zu Willen zu sein. Manuna war sehr traurig, nicht etwa weil sie die Liebe des Königs abstossend fand. Aber sie hasste es ihre geliebte Königin zu betrügen.
Sie sprach über den Vorfall nicht mit Fatafehi und hoffte, dass der König sie nicht mehr behelligen würde nachdem seine Lust gestillt war. Aber der König von Tonga konnte nicht von ihr lassen. Trotz ihrer Tränen und ihres Flehens besuchte er sie immer wieder, denn der Geschmack ihres Körpers steigerte nur seinen Appetit auf ihre Liebe.
Dann kam der Tag an dem Manuna bemerkte, dass sie ein Kind erwartete. Weinend lief sie zu Fatafehi, bat um Verzeihung und um die Erlaubnis in ihren Geburtsort auf der Insel Mo'unga'one zurückkehren zu dürfen. Sie erwartete Wut und einen Zornausbruch von ihrer königlichen Herrin. Aber auf das was geschah war sie vollkommen unvorbereitet. Sobald sie ihr Flehen um Verzeihung beendet hatte erhob sich Fatafehi, umarmte Manuna und sagte:
"Meine Pflicht für meinen Herrscher ist erfüllt; denn ich habe für ihn meine Tränen getrocknet. Natürlich wirst Du nach Mo'unga'one zurückkehren. Aber das Kind in Deinem Leib gehört mir. Geh, liebe ihn und sorge für ihn; denn er, mein Sohn, ist der Erbe, der Sohn einer Königin."
So kehrte Manuna nach Mo'unga'one zurück und gebahr dort einen Knaben. Sie nannte ihn Fakana'ana'a (Tränentrockner) - nach den Worten der Königin. Der Sohn entwickelte sich wunderbar. Im Handumdrehen wurde aus ihm ein attraktiver junger Mann, ausgestattet mit körperlicher Schönheit und Charakter. Manuna lehrte ihren Sohn alle Fertigkeiten, die ein tonganischer Jüngling beherrschen sollte. Er war ein erstklassiger Fischer, ein guter Gärtner, und niemand übertraf ihn im Umgang mit Auslegerbooten. Er wurde ein erfahrener Navigator, der die verborgenen Geheimnisse des Himmels und des Meeres kannte. Er lernte die Pflichten eines tonganischen Mannes und eignete sich ein umfangreiches Wissen der Sitten und der Kultur an. Er wusste alles was man über Pflichten und ihre Erfüllung lernen konnte. Solch ein Mann war Fakana'ana'a.
Die Jahre vergingen, und der Tag kam, an dem der König starb. Wenn damals ein tonganischer König starb dann erforderte es der Brauch, dass seine Frau stranguliert und mit ihm begraben wurde. Das stand also Fatafehi bevor. Als man sie zur Strangulierung führte kniete sie nieder, und man legte ihr das Seil um den Hals. Aber sie dachte dabei an Manuna und ihr Versprechen. Sie erhob den Kopf und rief: "Nehmt die Schlinge ab! Ich will Euch etwas sagen." Das Seil wurde entfernt und sie sprach: "Sobald die Trauerperiode beendet ist - fahrt nach Mo'unga'one und bringt meinen Sohn, der dort von Manuna, meiner Dienerin, betreut wird. Er ist der Thronnachfolger; denn er ist mein Sohn, der Sohn einer Königin. Kürt ihn zum König von Tonga!" Dann wurde sie stranguliert und mit dem König begraben.
Als die Trauerperiode beendet war holte man Fakana'ana'a von Mo'unga'one und machte ihn zum König. Er wurde einer der besten Könige von Tonga, und seine Herrschaft war eine Zeit des Friedens. Er lehrte sein Volk wie man Landwirtschaft betreibt, und alle Tonganer lebten in Eintracht. Und wenn er nicht gestorben ist dann lebt er heute noch.
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PS.: Ich war mal auf der Insel Mo'unga'one und füllte dort ein Video-Band. Noch immer gibt es dort hübsche Mädchen. Aber Manuna fand ich leider nicht. Das Märchen stammt von Tupou Posesi Fanua. Ihre Tochter war Kato, die Frau von Jack Riechelmann, ehemals Regierungs-Sekretär und dann Manager des Dateline-Hotels in Nuku'alofa. Übersetzung: Manfred Richter
Als ich per Bus über die Lava-Felder der Insel Savaii fuhr, kam ich mir plötzlich ganz klein vor. Deshalb übersetze ich mal eine Kurzgeschichte von Albert Wendt. Er ist der bekannteste Schriftsteller von Samoa. Der Name erinnert an die deutsche Kolonialzeit. Er sieht aber nicht deutsch aus.
LAVA
"Diese Welt, von der die Menschen glauben, dass sie sie unbedingt besitzen müssen, gibt es in Wahrheit nur in den Filmen, weil die Menschen die Filme machen. Verstehst Du mich?" sagt Tangata. Ich schüttle den Kopf. "Okay, ich erkläre es Dir mal anders." fährt er fort. "Hast Du die Lava-Felder von Sawaii gesehen?" Ich schüttle wieder den Kopf. "Vor zwei Jahren war ich mit einigen Freunden dort. Du fährst meilenweit durch den Wald und durch viele Dörfer wo die Menschen die Schönheit der Natur ruiniert haben. Und dann....und dann sind sie plötzlich da. Und Du fühlst, dass Du plötzlich mitten drin bist. Verstehst Du? Als wenn Du da bist wo der Frieden ist, wo all die schmutzigen kleinen Orte und Lügen und Denkmäler, die wir uns machen, nichts bedeuten, weil Lava nichts als Lava sein kann. Verstehst Du?" Er hält für eine Weile inne und schaut mich an. "Die Lava reicht meilenweit bis zum Meer. Sonst nichts. Nur schwarzes Schweigen, vielleicht wie der Mond. Denkst Du noch an den Film den wir als Jungs mal vor Jahren sahen? Ja, so sieht es aus, wie die Oberfläche des Mondes in diesem Film. Eine Flut von Lava überall. Aber an einigen Stellen kannst Du kleine Pflanzen sehen, die in den Spalten der Lava wachsen, wie lustige Geschichten, die aus Deinem versteinerten Gehirn brechen, verstehst Du mich? Ich fühlte als hätte ich mein ganzes miserables Leben lang danach gesucht. Junge, auf einmal sah ich alle Dinge klar. Dass es keine Rolle spielt ob Du ein Zwerg oder ein Riese bist oder ein Heiliger." Tangata's Augen leuchteten hell. "Dass wir alle gleich sind vor dem Schweigen, vor dem Nichts in der Lava. Ich wollte die Lava-Felder nicht verlassen. Aber....aber Du kannst dort nicht für immer bleiben; denn Du wirst vor Durst und Hunger sterben wenn Du dort bleibst. Es gibt dort kein Wasser, kein Essen, nur Lava. Alles ist Lava.
Es sind aber die kleinen Pflanzen, die das Tröstende an dieser Lava sind - wie die Auferstandenen nach der Schlacht bei Armageddon, wie Kinder, die nach einem Bombenangriff auf den Trümmern spielen; denn sie sind unschuldig, und es treibt sie nur die Gier nach dem Leben. Und dann die Menschen, deren Häuser unter der Lava begraben sind, die ihr Leben nur einer Laune der Natur verdanken. Und sie bauen neue Häuser auf der Lava und beschaffen das Wasser und Essen von anderswo, weil sie das Land nicht verlassen wollen. Samoanische Philosophen?
November 11, 2010, Remembrance Day in Australia - and the beginning of Carnival in Germany, maybe not a coincidence.
On this day in 1918 the guns of the 1st World War finally fell silent. Australia lost 60.000 soldiers in that war, a huge number considering the small population of Down Under at the time.
I like to remember my grandfather on this day. His name was Wilhelm Laube. He lived in Berlin and was a plumber by profession. The War was not of his making. But he had to put on a uniform and was given a rifle like most other young men.
Wilhelm Laube with Iron Cross and Dog Tag
Grandfather did not see why he should kill people to whom he had not even been introduced and who were probably Christians as well. He also loved the cultures of neighbouring countries and would have liked to learn some of their languages.
When the battles started he aimed over the heads of the soldiers on the other side. He only wanted them to stay put and keep their heads down. However the others did not know that. So he ended up in hospital with a bullet in his head. He survived. One day a general walked into the hospital room with a basket in his arm and distributed Iron Crosses to all the wounded soldiers.
When the War was over and grandfather returned home he hung the Iron Cross on the Christmas tree. He did not talk much. One of the things he told my mother was that while the soldiers were dying in the trenches many of their officers were getting drunk in the safety of bunkers and let their german shepherd dogs drink champagne.
Soon after, in 1918, he joined the crowd when they marched to the Royal Palace and deposed the Emperor. Mother was ten years old then and was so scared for her father that she followed him all the way.
Grandfather is number five from the right with the bandage around his head.
"Russian gifts of love in the month of March 1916"
And that is what the bombs did.
Revolutionaries in front of the palace in Berlin (1918). Grandfather is not in the picture.
On grandfather's grave is an urn chiseled from stone with only one word on it: FRIEDEN (Peace). I hope he found it.
I will remember you grandpa!
PS.: Sorry folks, looking around the World at present I could not help putting this little story on the Web - for all the guys who have to shoot at people against their will. Will they ever learn?
Es war einmal ein wunderschönes Mädchen namens HINA. Es lebte an einem spiegelklaren Teich, in dem es zu baden pflegte. In diesem Tümpel lebte ein Aal, mit dem es seine Bewandtnis hatte. Eines Tages ertappte ihr Vater Hina dabei, wie sie sich am Rand des Teiches mit einem göttlich aussehenden jungen Mann liebte. Das war eine schlimme Sünde; denn in Tonga sollen alle Mädchen Jungfrauen sein wenn sie heiraten, unbefleckt von allen Sünden. Der Vater war deshalb sehr erbost und griff in seinem Zorn nach dem jungen Mann. Aber man stelle sich sein Erstaunen vor als der Jüngling sich in einen Aal verwandelte und in das Wasser schlüpfte!
Sofort wurde ein Bote losgeschickt, der alle Leute zusammenrufen mußte, damit sie halfen alles Wasser aus dem Teich zu schöpfen. Das war flugs getan. Der Teich war trocken, und man nahm den Aal heraus und tötete ihn. Aber bevor er starb rief er aus:
"Kommt und werft in aller Schnelle
Holz und Stein aus dieser Quelle!
Und so findet ihr dann gleich
einen Aal im trocknen Teich.
Nun mit einem scharfen Beile
schneidet ihn in viele Teile.
Esset alle - Mann und Weib -
seinen armen toten Leib.
Nur den Kopf, nun habet acht,
den vergrabt ihr in der Nacht.
Etwas Erde und auch Gras
legt auf seine spitze Nas.
Nach drei Nächten oder vier
wächst ein Palmbaum dann aus mir.
Bald wird unter Fächerzweigen
eine Kokosnuss sich zeigen.
Haltet sie ins rechte Licht
und so seht ihr mein Gesicht.
Meine Milch gemischt mit Blüten
wird viel Wohlgeruch euch bieten.
Hina, heißgeliebt und teuer!
Sollst mich rösten über'm Feuer.
Trinke mich und schlürfe mich;
denn ich lieb dich ewiglich.
Wenn mein Saft mich so verließ
kehr ich heim ins Paradies!"
Wie gesagt, so getan. Und aus dem Kopf des Aals wuchs die erste Kokosnusspalme. Wenn ihr die äußere Schale einer Kokosnuss ablöst und die Kokosnuss-Fasern entfernt, dann werdet ihr deutlich die Augen und den Mund des Aals erkennen. So opferte sich der Aal aus tiefer Liebe für Hina, damit sein Geschenk seiner Geliebten und der Welt für immer nützlich sein werde. Da er aber gestorben ist, lebt er heute nicht mehr.
Hina, nach langer Trauerzeit, traf einen tonganischen Prinz namens SINILAU, der sie heiratete. Aber das ist eine andere Geschichte.
PS.: Dieses Märchen, im Original Tonganisch und Englisch, erzählte mir TUPOU POSESI FANUA am Strand der Insel LIFUKA in Tonga. Die Farben auf der Zeichnung stammen von meiner Enkeltochter Jayde.
Nach Mitternacht erst komme ich aus Tripoli in einem kleinen Opel-Bus in Bengasi an. Die Fahrt über eine Strecke von 1.200 km hat mir Amer Izzawi bezahlt, der in Tripoli eine Reiseagentur betreibt. Mangels besserer Unterkunft wird in einer Garage geschlafen.
2. Dezember, Mittwoch
Bengasi wurde im 2. Weltkrieg völlig zerstört. Die meisten Häuser sind neu. Von der Altstadt ist wenig geblieben. Mehr als einen kurzen Rundgang ist die Stadt mir nicht wert. Dann schultere ich den Rucksack und marschiere zur Ausfallstraße. Gegen Mittag hält ein Jeep (Landrover) und nimmt mich die 300 km nach Derna mit. Unterwegs steigt Karl zu, ein kanadischer Kunststudent, der wie ich mit seinem Rucksack unterwegs nach Egypten ist.
Karl
Bald hinter Bengasi verläßt die Straße die Wüstenlandschaft. Man fährt über ein fruchtbares Hochplateau, auf dem Bäume, Felder und Kühe keine Seltenheit sind. Bei Derna geht es dann auf steilen Serpentinen wieder zum Meer hinab.
Karl, der Kanadier, und ich beschließen, gemeinsam weiter zu trampen. Bei der Ankunft in Derna ist es aber schon Abend. Der Verkehr läßt nach. Tobruk, unser Tagesziel, können wir nicht mehr erreichen.
Auf der Suche nach einer billigen Bleibe landen wir im Polizeirevier, wo man für uns einen sauberen Fußboden und fließendes Wasser zur Verfügung hat.
3. Dezember, Donnerstag-Bengasi-Tobruk = 480 Km
Karl und ich bedanken uns bei den Polizisten für die kostenlose Unterkunft. Mit einem LKW und einem Kranwagen derRoyal Air Force von Great Britain schaffen wir am Vormittag ganze 20 km. Dann erwischen wir einen PKW, der uns bis Tobruk bringt.
Wie Bengasi besteht auch Tobruk praktisch nur aus neuen Häusern. Der Krieg muß hier eine einzige Trümmerlandschaft hinterlassen haben. Die Stadt liegt an einem Hang und blickt auf einen sehr hübschen Naturhafen hinab. Auf der anderen Seite der Bucht steht wie eine Trutzburg auf einem Berg das deutsche Kriegerdenkmal. Vier hohe Mauern bilden ein Quadrat mit 80 m Seitenlänge, an dessen Ecken je ein runder Turm herausragt. In der Mitte des Innenhofes hat man unter Marmorplatten die Gefallenen bestattet. Ringsum an den Wänden stehen die Namen der hier begrabenen Soldaten. Gleich in der Nähe sind auch ein englischer und ein französischer Soldatenfriedhof. Ringsum wüstenartige Kies- und Buschlandschaft und kahle Höhenzüge. Was für eine Einöde zum Kämpfen und Sterben ! Welch menschlicher Schwachsinn wütete hier, wo die Natur der wahre Feind ist. Es ist als sei die ganze Gegend im Tode erstarrt.
Auch der Verkehr scheint erstarrt zu sein. Erst am späten Nachmittag bekommen Karl und ich einen Rot-Kreuz-Wagen, der uns bis zur lybischen Grenze mitnimmt. Wir finden auch noch ein Auto, das uns die 15 km durch das Niemandsland bis zur egyptischen Seite befördert. Dort ist eine Abfertigung nicht mehr möglich, weil die Zollbeamten bereits schlafen. So übernachten wir auf einem Schulhof in einer Waschanlage. Um uns sorgen Sturm und Sandböen für die Nachtmusik.
4. Dezember, Freitag-Tobruk-Marsamatru=370 km
Es wird ein recht abwechslungsreicher Tag. Zunächst bekommen wir einen LKW, der uns etwa 50 km in Richtung Marsamatru mitnimmt. Dann hält er an, mitten in der Wüste. Wir müssen samt Rucksäcken absteigen. Der LKW fährt auf einer Sandpiste in die Wüstenlandschaft hinein. Wir stehen verlassen mitten in der Gegend.
Wenig später verdunkelt sich der Himmel. Es wird richtige Abendstimmung, und Sturm kommt auf. Überall setzt sich der Sand in Bewegung. Wie Nebelschwaden ziehen die Sandwolken sich zusammen. Im Nu sind wir mitten drin. Es gibt nirgends einen Platz, an dem wir in Deckung gehen könnten. Ich ziehe den Hut über die Stirn und binde mir ein Taschentuch vor Mund und Nase. Trotzdem atme ich Sand, beiße Sand und spucke Sand. Die Sicht beträgt nur noch wenige Meter. Dann habe ich auch die Augen voll Sand und sehe überhaupt nichts mehr. Wir kauern neben den Rucksäcken und ziehen die Köpfe ein.
Nach dem Sandsturm. Rucksack mit Poncho, Luftmatratze und Schlafsack.
Pistole in der Brusttasche. Kobrahaut am Hut.
Nun kommen Blitz und Donner. Es beginnt zu regnen. Der Sand wird feucht und sinkt langsam zur Erde nieder. Jetzt will ich fotografieren – und fluche wie ein Rohrspatz, weil in beiden Apparaten die Filme abgeknipst sind. Also bei Sandsturm und Regen Filmwechsel ! Aber wie ? Schließlich finde ich im total versandeten Rucksack einen Plastikbeutel. Ich stecke die Fotoapparate hinein und wechsle mit einer Hand den Film während ich mit der anderen den Beutel zuhalte. Dann bin ich mit mir und dem Sandsturm zufrieden. Hoffentlich werden die Fotos gut !
Beduinen
Der Regen entwickelt sich zum Glück nicht zum Wolkenbruch. Er sorgt nur für eine angemessene Durchfeuchtung der Kleidung. Bald hat sich der Himmel beruhigt. Am Horizont wird es hell. In allen Blautönen schimmern Wolken am Himmel, und der Wind treibt die Gewitterwolken auf das nahe Meer hinaus. Dort grummelt es noch eine Weile während die sinkende Sonne einen Regenbogen über die Wüste malt. Plötzlich kommt Leben in die Landschaft. Die Dornenbüsche werden grün. Der Boden leuchtet goldig gelb. Vögel flattern auf, zwitschern dem Abend entgegen.
Auf der Straße kommen auf Eseln zwei Beduinen herangeritten. Bei unserem Anblick scheint sie Mitleid zu packen. Sie sammeln Gestrüpp, zünden ein Feuer an und kochen für die “Beduini Alemani” (deutsche Beduinen) Tee. Dazu gibt es Fladenbrot und Erdnüsse. Das ist die Gastfreundschaft der Wüste ! Schließlich sollen wir noch auf den Eseln mit ihnen reiten. Das Trampen auf Eseln wäre zwar eine neue Variante. Aber Karl und ich warten lieber auf die Autos, die uns aus der Wüste bringen sollen.
nach dem Sandsturm
Schon ist es dunkel. Wir richten uns seelisch auf eine Übernachtung im Wüstensand ein. Da taucht wie eine Fata Morgana am Horizont wieder unser LKW von heute morgen auf. Wie ein altersschwaches Kamel torkelt er auf dem Wüstenpfad dahin, quält sich auf die Straße herauf. Er ist haushoch mit Säcken beladen, die Steine und Sand enthalten, sicher für Befestigungen an der Grenze zu Israel. Im Fahrerhaus ist kein Platz. So schultern wir die Rucksäcke und erklimmen über die Motorhaube die Ladung. Dann verankern wir die Rucksäcke und uns selbst so gut wie möglich an den Haltetauen. Der Fahrer stellt uns noch zwei Decken zur Verfügung, und schon holpert das Dieselkamel mit uns durch die Nacht. Mehr als 20 km pro Stunde schafft der Wagen nicht. Und bis Marsamatru sind es 150 km ! Das sind etwa acht Stunden Fahrt !
Dieselkamel
Aber wie gemütlich kann man auf Steinen liegen ! Alles ist in Bewegung: der Wagen, die Gedanken, die Erde auf der man rollt, der Mond und die unendliche Weite des gestirnten Himmels. Wie fremdartig und klein wird das Leben in der Stille der Nacht, in der grenzenlosen Ferne einer leblosen Wüste, unter der majestätischen Höhe des Sternenhimmels ! Karl hat eine halbe Flasche Brandy dabei. Die genießen wir Schluck für Schluck. Zwischendurch singen wir Wanderlieder – auf Deutsch und Englisch: “Wilde Gesellen, vom Sturmwind umweht, ehrlos bis unter die Hoden” (bis unter den Boden).
Wir müssen die Köpfe niedrig halten. Ab und zu hängen Telegrafendrähte über die Straße, die uns vom Wagen reissen könnten. Und einschlafen dürfen wir auch nicht. Sonst könnten wir von unserem Hochsitz rutschen und unsanft auf dem Asphalt landen.
Teestube in der Wüste
Noch ist es Nacht. Noch rollt der LKW. Zweimal ist Pause. In Blechhütten am Strassenrand spendiert man uns Tee. Dazu essen wir Fladenbrot, Bohnen und Thunfisch. Ausserdem malt der LKW-Fahrer mit dem Zeigefinger ein Hakenkreuz in den Sand und berichtet von den Heldentaten des General Rommel. Als Deutscher ist man hier wahrhaftig beliebt.
Deutsches Kriegsdenkmal
Schließlich kommen wir in Marsamatru an. Den Rest der Nacht verschlafen wir wieder einmal auf dem Fußboden einer Polizeistube.
Gleich morgens soll es in Richtung Alexandria weitergehen. Aber es existiert kein Verkehr. Den ganzen Tag über hängen wir am Ortseingang fest. Das ist langweilig. Aber ein Tramp muß warten können. Erst am Nachmittag hält ein Jeep, der uns die 280 km bis Alexandria fährt. Gegen Abend treffen wir dort in der Jugendherberge ein.
zwei Kamele
6. Dezember, Adventssonntag
Ruhetag. Viel Schlaf. Erholen uns von den Strapazen der Reise. Aber keine Weihnachtsgefühle.
Wieder einmal bin ich unterwegs nach Tonga. Es ist eine Mission. Ich will Ruby nach Sydney holen, die jüngste Tochter meiner Frau. Der Papierkrieg für die Einwanderung nach Australien war mühsam und teuer.
Heute früh flog ich mit Quantas (Queensland and Northern Territories Air Services) von Sydney nach Nandi, dem internationalen Flugplatz von Fidschi auf der Insel Viti Levu. Nachmittags ging es mit einer Maschine der “Air Pacific” nach Nausori auf der Ostseite der gleichen Insel weiter. In dem australischen Jumbo roch es anfänglich stark nach Urin. Aber gutes Essen und Rotwein liessen es vergessen. Der lokale Flug wurde durch das Schreien von Kindern verschönt, denen das Auf und Ab unter den Gewitterwolken nicht gefiel. Einmal passierten wir im Nebel in fast greifbarer Nähe eine Bergkuppe. Wie oft schon musste ich auf Reisen meinem Schutzengel danken?! Zum Glück dauerte das Vergnügen nur eine halbe Stunde. Dann rollte die kleine Maschine sicher auf dem Flugfeld aus.
Der Bus der Fluggesellschft fuhr auf dem Weg nach Suva, der Hauptstadt, in den Sonnenuntergang hinein. Der Himmel schien zu brennen. Ich steckte die Nase aus dem Fenster und atmete tief ein. Keine Benzinabgase mehr, nur regenfeuchte Pflanzendüfte, eine Luft, die man mit Löffeln essen möchte, garniert mit Schlagsahne. Und immer schneller lief der Schweiss. Dabei sind es höchstens 32 Grad!
Im “Pacific Guest House”, wo ich wie immer unangemeldet erschien, gab es tatsächlich noch einen Raum für mich. Die Wirtin erinnerte sich an mich und gab mir ein Doppelbett. Zu Weihnachten im Jahre 1972 durchtanzte ich mit einem ihrer kraushaarigen Zimmermädchen eine Nacht so lange bis ich eine feuchte Hose hatte. Das Mädchen ist inzwischen mit einem Neuseeländer verheiratet. Ich bekam den besten Ventilator des Hauses. Auf dem Nachtisch lag die Bettlektüre: Readers Digest – “Was Männer wirklich von Liebe und Sex halten.” Die Wirtin sagte: “Ich gab Dir ein Doppelbett, damit Du…” Sie lächelt vielsagend.
Im Haus riecht es stärker nach Urin als zuvor. Ein kleines Indiz für die wirtschaftliche und politische Entwicklung nach der Unabhängigkeit? Als Afrika-Reisender kennt man die Symptome. Fidschi war eine englische Kolonie.
In der “Travellodge” wechsle ich Geld. In den Lokalen verrechnen sich die Ober gerne wenn sie australische Dollars in Fiji Dollars umrechnen müssen.
Im Chinesenlokal sind die Haifischflossen-Suppe und der Langusten-Cocktail noch immer eine Gaumenfreude. Das Fiji-Bitter und der Ventilator sorgen für innere und äussere Kühlung. Die Kellnerin versucht sich sogar an einem “Iced Tea” für mich. Sie bringt einen heissen Tee und macht ihn mit einem Eiswürfel lauwarm. Ich bedanke mich für den guten Willen. Anfänger würden fluchen.
Dann ist es Nacht. Ich kann nicht schlafen und bummle durch schwach beleuchtete Strassen, immer dicht an den Hauswänden laufend – wegen der Rückendeckung. Betrunkene Fidschis torkeln wie Schimpansen zickzack über den Gehsteig. Fragt einer nach der Uhrzeit, dann schaue ich immer erst ob er ein Messer hat bevor ich antworte. Südseeromantik will mit Vorsicht genossen sein.
Es zieht mich ins “Tropicale”. Dort tanzten im Jahre 1972 die Mädchen mit ihren kleinen braunen Rundpopos so nett auf den Tischen. Heute ist das Haus fast leer. Die Band spielt laut und aufreizend. Zwei Ober schlafen auf dem Billiardtisch – in Polsterklasse sozusagen. Die Gäste sitzen auf Plastikstühlen. Die Band spielt “La Paloma”. Ein schnauzbärtiger Inder mit Hitlerlook fordert mich zum Tanz auf. Ich zeige ihm tonganischen Tanzstil. Es erregt ihn so sehr, dass er immer näher kommt. Ich würde ihm gerne mein rechtes Knie gezielt zwischen die Beine setzen, habe aber Mitleid. Sein betrunkener Fidschi-Freund wirft eine leere Bierflasche auf den Fussboden – aus Eifersucht? Eine Bardame räumt auf. Ich spendiere Bier und Zigaretten, bekomme eine Taxifahrt mit anschliessender Beglückung angeboten. Ich antworte, dass ich mal schnell auf die Toilette muss. “Bitte verlass mich nicht”, flüstert “Adolf” mir zu. Durch eine Hintertür entfliehe ich dem warmen Lokal.
Unterwegs trete ich noch drei grosse Kakerlaken tot. Das knackt so melodisch auf den leeren Bürgersteigen. Durch die Zielübung teste ich gerne ob ich noch nüchtern bin. Das Hobby stammt aus meiner Zeit in Egypten. Ein Polizist mit Afro-Haarstil und weissem Fransenrock schaut mir gelangweilt zu. Aus allen Fenstern klingt Musik. Die Luft ist stickig-heiss und stark Vitamin-E haltig. Ich muss an den alten deutschen Spruch denken: “Die Männer auf den Fidschi-Inseln die haben Widerhaken an den Pinseln”.
Dann gibt es in Suva noch den “Golden Dragon” (Goldener Drachen). Aus den Fenstern klingt aufdringlicher Südseebeat. Ich lasse mich an einem Tisch nieder, bestelle Rum und Coke mit Eis. Der Ober ergänzt: “…und eine scharfe Puppe” (…and a randy bird). Im zuckenden Licht der Tanzfläche zeige ich meinen Ehering. “Na, das macht doch nichts” meint er. Aber er wendet sich mitleidvoll ab und bringt mir meinen Drink. Dann erscheint Akusita – mit engen Jeans und italienischem Pulli. Der Pulli hat die italienischen Nationalfarben. Im bunten Licht heben sich die Brustwarzen unter dem weissen Stoff ab. Verheissungsvoll öffnen sich die Hüften. Aber ich erzähle ihr von meiner Frau, bezahle ein Bier und die Taxifahrt nach Hause. Am Strand sitze ich anschliessend auf einer Bank, schaue in den Mond und träume. Etwas später singt der Ventilator mich in den Schlaf.
Suva, Uferpromenade
Nachwort (30.5.2011)
Den “Goldenen Drachen” gibt es noch immer. Im Internet tipp ein: GOLDEN DRAGON, SUVA, FIJI und SUCH danach. Klick auf die beiden Fotos und schau Dir die Videos an. Rechts auf dem Schirm kann man dann noch mehr Fiji-Musik miterleben. Mir kommen dabei vor Fernweh fast die Tränen. Und nun knacken die alten Gelenke.
SUVA, 13.12.1978
Beim australichen Konsulat ist der Beamte sehr höflich und bittet mich sogar in sein Büro. Lupi’s Pass wird in etwa zwei Wochen fertig sein. Tisna’s Cousin ist Sekretär des Königs von Tonga. Er hat im Hintergrund für uns an einigen Drähten gezogen. So können wir die Wartezeit getrost in Tonga verbringen.
Vorher kaufe ich noch ein. Kleidung und technische Artikel sind in Fidschi billig. Aber man muss im Umgang mit den indischen Verkäufern vorsichtig sein. Sie sind gerissene Geschäftsleute. Etwa die Hälfte der Bevölkerung ist indischer Herkunft. Sie wurden einst als Plantagenarbeiter von den Engländern importiert. In dem gesunden Klima vermehrten sie sich sehr schnell, zum Leidwesen der Fidschi-Insulaner, die sich nun bevormundet und ausgebeutet vorkommen. Mangels Geschäftssinn und Ausbildung sind sie den strebsamen Indern unterlegen.
Abends mache ich es mir im Dachgarten des Suva-Hotels gemütlich. Ein Tonganer hat dort einen Tanz organisiert. Er und sein Fidschi-Freund begrüssen mich mit Handschlag. Sie sagen mir, dass sich Touristen hierher selten verirren. Sie wollen unter sich sein und mit den Einheimischen nichts zu tun haben. Als ich erwähne, dass ich mit einer Tonganerin verheiratet bin, steht der Verbrüderung nichts mehr im Wege. Das Bier fliesst reichlich. Ein Gewitterguss klatscht in die verwinkelten Strassen unter uns und auf die Wellblechdächer der ältlichen Häuser im Kolonialstil.
Mein neuer Fidschi-Bruder berät mich in Familienpolitik: “Was, Du heiratetest eine Frau mit fünf Kindern und hast noch kein eigenes?” – “Also morgen gehst Du zu einem Zauberdoktor, nicht zu einem der Geld haben will. Du erklärst ihm Dein Problem. Er wird Dir eine Handvoll Wurzeln und Kräuter geben. Daraus machst Du einen Tee. Dann wartest Du bis Deine Frau wieder ihre Periode hat. Nicht am ersten Tag, nicht am zweiten Tag, nicht am dritten. Aber dann und vor Mitternacht. Weil es vor Mitternacht ein Junge wird. Der Zauberdoktor wird Dir alles erklären.” Ich bedanke mich für den guten Rat. Und ich sage, dass ich nie ein guter Fussballer war. Deshalb schiesse ich wohl immer am Tor vorbei.Zum Abschied muss ich als Andenken meinen Kugelschreiber herausrücken. Auf dem Griff befindet sich ein Foto von einem Mädchen, das den Bedeanzug sinken lässt. Es war ein Geschenk von Tisna zum Muttertag. Den Kugelschreiber sollte ich eigentlich dem Zauberdoktor geben, weil der kein Geld nimmt. Doch morgen bin ich ohnehin in Tonga.
Tonga, 14.12.1978
Bis zum Fuamotu-Flugplatz in Tonga fliegt man von Fidschi nur ein paar Stunden. Zur Begrüssung spielt zwar keine Polizeikapelle. Aber Tisna, ihre Schwester Kalisi und Lupi, Evelyn und Christopher sind zum Willkommen erschienen. Kalisi breitet ein Tapatuch aus Maulbeerbaumrinde auf dem Boden aus, Ersatz für einen roten Teppich. Dann begrüssen sie mich mit abgestrecktem Arm und “Heil Hitler” als den “King of Germany”. Umstehende schauen neugierig zu. Ich erkläre, dass ich diese deutschen Wörter leider nicht verstehe.
Sie begrüßte den "King of Germany"
Dann drücke ich Lupi in die Arme, die “Hallo Daddy” sagt. Der Taxifahrer beeilt sich. Durch ungezählte Schlaglöcher und Wolken aus Korallenstaub holpern wir nach Nuku’alofa, der Hauptstadt. Bei der Ankunft in Kalisi’s Haus gibt es noch einmal eine grosse Begrüssung. Nachbarn, die mich nicht einmal kennen, bringen Schalen mit frischen Früchten als Gastgeschenk. In Tonga gibt es viele Höflichkeiten dieser Art, die es verursachen, dass der Abschied immer so schwer fällt.
Insel Lifuka, Ha’apai, Weihnachten
Wir bleiben nur wenige Tage in Nuku’alofa. Uns zieht es auf Tisna’s Heimatinsel Lifuka, wo das Leben billiger und alles ursprünglicher ist als auf der Hauptinsel Tongatapu.
Vorher fliege ich noch für zwei Tage zur Insel Eua. Der Flug dauert nur sieben Minuten. Man bekommt so einen guten Blick auf die Geografie von Tongatapu und Eua. Auf Eua übernachte ich bei Doktor Pusijaki, wie sein Spitzname lautet. Grosser Luxus im Haus des Arztes: eine Badewanne mit erstklassig funktionierender Dusche. Frau Pusijaki verwöhnt mich bei Kerzenschein mit Jams, Süsskartoffeln und einem ausgewachsenen Hummer. Ich bringe als Geschenk eine Büchse Corned Beef, Moskitoringe und Streichhölzer.
Eua sieht aus wie eine Insel, die am Umkippen ist. Auf einer Seite eine beeindruckende Steilküste, die dann zur anderen Seite der Insel teilweise steil abfällt. Daneben der Tonga-Graben, eine der tiefsten Stellen im Pazifik mit mehr als 10.000 Meter Tiefe. Dort könnte man den Mount Everest versenken. Hier reiben sich zwei tektonische Erdplatten an einander und verursachen eine Menge Erdbeben. Es ist ein Teil des “Ring of Fire”. Vulkane bilden rings um den Pazifik eine oft Feuer und Asche speiende Berglandschaft. Eua ist teilweise dicht von tropischen Regenwäldern überzogen. In einem Naturreservat stehen eine Menge Sandelholzbäume. Sandelholz war zur Zeit der Segelschiffe eine begehrte Handelsware. Ich unternehme auf eigene Faust einen Marsch von etwa 25 Km entlang des Bergkammes. Die Anstrengung lohnt sich wegen der wunderschönen Natur und dem Blick auf die noch unerschlossenen Wälder am Boden der Klippen auf der Südseite der Insel. In den Dörfern sieht man Spuren von einem Erdbeben, das vor einem Jahr hier 40 Steinhäuser zerstörte. Mit Neuseelands Hilfe wurden als Ersatz Holzhäuser errichtet. Denen wird das nächste Beben weniger anhaben können.
Drei Tage vor Weihnachten fliegen wir mit den Kindern nach Ha’apai. Die Schiffsverbindungen sind zu unverlässig. Die “Olovaha”, die sonst den Fährdienst versieht, ist vor einiger Zeit mal beinahe mit Mann und Maus bei Ha’apai versunken. Jetzt wird sie auf Kosten der deutschen Bundesregierung für zwei Millionen Mark überholt. Seit dem Freundschaftsvertrag mit der Bundesrepublik hat die Hamburger Columbus-Linie den internen Schiffsverkehr in Tonga übernommen. Zwei Handelsschiffe befinden sich in Deutschland ebenfalls im Bau. Und die kleinen Personenboote, die sonst vollkommenn überladen Passagiere befördern, sollen nun endlich Schwimmwesten bekommen. Dazu trug der Untergang der “Tokumea” bei, die Ende 1977 nördlich von Vavau mit über 60 Passagieren in einem Hurrikan versank, die bisher schlimmste Schiffstragödie in Tonga. Das Schiff war überladen, hatte ein mit Tapatuch und Zement gestopftes Leck, kein Funkgerät und kaum Schwimmwesten.
Nachtrag: Am 5. August 2009 versank in Ha’apai die “Ashika”, die ein schwimmendes Wrack war. Von 128 Passagieren ertranken 74, hauptsächlich Frauen und Kinder, aber auch fünf Touristen, zwei davon ein junges deutsches Paar. Nach der Gerichtsverhandlung landeten mehre Verantwortliche im Gefängnis.
Schön ist stets der Flug nach Ha’apai, der rund 30 Minuten dauert. Die “Friendly Islands Airways” hat eine sechssitzige Maschine, die niedrig fliegt. Wie Opale liegen die Inseln mit ihren Riffen im Meer. Ich habe die Landkarte studiert und kann viele der Inseln beim Namen nennen. Wie eine grosse geöffnete Halskette winden sich die Hauptinseln der Ha’apai-Gruppe von Norden nach Süden: Haano, Foa, Nukunamo, Lifuka, Uoleva, Tatafa und Uiha.
Nachtrag: Ich war bei der Nachfolgegesellschaft “Royal Tongan Airlines” für einige Zeit der Hauptbuchhalter und organisierte die Buchhaltung. Diese Gesellschaft ging ebenfalls längst Pleite. Das lag aber nicht an mir.
Once upon a time there lived a very beautiful woman in the village ofFelemea on the island of Uihain Ha’apai. Her name was Fataimoeloa. She was really very beautiful. But she had a strange habit which made her different from all other women. She was violently and unreasonably in love with the sun. The caresses of the rays of the sun on her body excited her more than the touch of any man.
Every morning before the sun rose she used to go to the Liku beach on the eastern side of the island where the first rays of the sun could reach her. There she would wait for the pink hue of the sky which foretold the rising of the sun. Then she would take off the lavalava, the sarong, and swim stark naked as God had made her in the warm water of the sea.
As soon as the sun rose with her fingers of fire and turned the horizon golden she would come out of the water and nude and wet as she was lie on the sand yearning for the touch of her lover – the sun. She would lie there until the sun had thoroughly dried and warmed her, all the time turning in order to expose every part of her body to the warmth of the sun. Only when the heat became unbearable she would put her lavalava on again and filled with happiness return to her village.
Fataimoeloa's sister
As time went by she found that she was pregnant. Months passed, and when her time had come she gave birth to a beautiful boy whom she named Sisimataela’a which means “The attraction of the sun.”
The child grew very quickly and was indeed an attractive boy. Fataimoeloa knew very well that the chiefs were always looking for handsome young men to join their services and fight in their battles. And she was fearful that one day a chief might come and take away her son as a servant. For this reason she took her child and moved to the Liku beach where the coast was protected by a reef and no boat could land. And on the spot where she used to wait for the love of the sun she built a Fale Tonga, a palm leaf house, for herself and set about caring for and educating her son. They lived there for some years, and the child turned into a remarkably handsome man. All this happened well before any other people settled in Felemea which is now a village on the western side of the island.
Tu'i Tonga
It so happened at the time that the TU’I TONGA, the King of Tonga, had a daughter by the name of Fatafehi. One day the King decided to make a tour to all the islands of his Kingdom in his Kalia, a large double hulled canoe, and at the same time look fore a husband for his daughter. After the preparations the party set out and finally arrived in Ha’apai. At every island where the boat landed a party of men set out to look if it was inhabited and after their return reported to the King.
After the arrival at the beach of Felemea some of the men went ashore and walked around Uiha along the beach. They came across the house of Fataimoeloa and saw Sisimataela’a.
When they returned to the King they reported that the island was uninhabited except for a woman and her son at a certain part of the Liku beach.
“The son is a fully grown man, and what a young man !” they said. “Your Majesty, he is so handsome that it hurts the human eye to look at him. Yes we are certain that such beauty has never been seen by human eyes.”
The Tu’i Tonga told them to return to shore and take this message to the youth’s mother:
“The King needs the services of your son and will take him on this trip. He will await your son on board.”
Inmagine the sadness of the mother when the men took the message to her ! She had isolated herself and her son to prevent this very thing from happening. She told Sisimataela’a to pick some leaves of the PIU, the fan palm, and bring them to her. Then she made a long cloak of the leaves and put it over his shoulders. She instructed him in the proper way to address the King and how to show respect for him and the chiefs. Then she kissed him and sent him across the island to the beach where the boat was being loaded and prepared for departure.
The royal tour continued from island to island, as far as Futuna and ‘Uvea, and then returned by way of Samoa. On this whole journey they did not find anyone as handsome as Sisimataela’a.
In the middle of the eights night of their return form Samoa Sisimataela’a took off his leaf cloak and crawled on his knees to the Tu’i Tonga. Here he knelt in obeisance.
“What do you want?” asked the King. – “May your boat safely reach its destination, O King,” said Sisimataela’a. “I beg for your permission to swim ashore from here.”
“At which island do you want to swim ashore?” asked the King. – “We are directly opposite my home island of Uiha now,” answered Sisimataela’a. The King was surprised because it was and pitch black. But the son of the sun knew exactly where he was by feeling the movement of the waves and currents.
“No,” the King said. “Wait until we reach Tongatapu, and then some of my people will bring you back.” – “As you wish, Your Majesty,” answered Sisimataela. “I made this request to go ashore now so it would not trouble you to bring me back later.” Thus the royal tour continued to Tongatapu.
The Tu’i Tonga lived at Mu’a. When the party returned home word was sent to the King’s daughter that her father had returned with a husband for her.
Fatafehi
Sisimatela'a
Great excitement reigned in the household of the young princess, and there was anxious speculation about the man whom her father had brought for her. Finally it was time for the princess to meet her future husband. She received a message from her father asking her to come to his house. So amid a babylonic mixture of excited talk the girl was anointed with sweet smelling oil. She was dressed with the most valuable mats and decorated with beautiful flowers and feathers and sea shells. When she was properly prepared she walked to her father’s house with all her maids following behind her in the usual custom. They arrived to find the young man sitting next to the King. Sisimataela’a had lowered his head because he knew in his heart that he would have to marry the princess regardless if she was pretty or ugly.
Then the King told Sisimataela’a that his bride had arrived and half-heartedly he looked up. But when he saw the princess he could not believe his eyes. The young lady was so beautiful ! The same happened to Fatafehi. When she saw Sisimataela’a she fell down on her knees dazzled by his handsomeness. So it was love at first sight between Sisimataela’a and Princess Fatafehi, and the wishes of the Tu’i Tonga were realized.
Preparations for the wedding began immediately, and Sisimataela’a asked the Tu’i Tonga if he could return to Uiha to tell his mother of the great honour that had been bestowed on him. The King granted him this request although the princess did not agree because she wanted the marriage to take place right away. So great was her love for Sisimataela’a that she did not want to let him out of her sight. But because her father, the Tu’i Tonga, had given his consent Sisimataela’a was allowed to go.
Felemea is marked by the blue dot at the bottom of Uiha.
Liku Beach is on right side.
So Sisimataela’a returned to Uiha and told his mother about his forthcoming marriage. Fataimoeloa then told him that his father was the sun and that he must go and tell his father about the wedding.
He said to her: “But how can I get near enough to tell him? I will be burnt alive if I go near him.”
“You shall swim due east” Fataimoeloa told him, “until you come to a big rock standing out of the deep blue sea. You must climb onto the rock and wait there until the sun rises. Then call to him and tell him about your betrothal.”
Fearlessly Sisimataela’a turned and started swimming in the black darkness of the night. He swam and swam until at last he saw the big rock which his mother had described. He swam towards it, climbed onto it and sat down to watch for the rising sun. As he was sitting there he began to feel drowsy and very tired from his swim. So he stretched himself out and fell asleep. He was awakened by the warmth of the sun on his skin, jumped up in surprise and saw that the sun was already above the horizon and was steadily climbing higher.
“Oh Sun,” he called out, “please wait until I tell you why I have come. I am Sisimataela’a, and I have come to tell you that I am going to be married. The Tu’i Tonga has seen fit to choose me as a husband for his daughter.”
The sun sent down one of his rays and lifted Sisimataela’a up into the sky. He then put out another ray and pulled a piece of black cloud over his face so that the world could not see him talking to his son.
Sisimataela’a said to his father: “My mother sent me to tell you of my marriage because you are my father. I will marry Fatafehi, the daughter of the Tu’i Tonga.”
“It is good,” the sun told him. “You shall take these two packets: one is MALA (misfortune) and the other is MONU (fortune). You must not see what is in Mala. You shall only unwrap it after the wedding ceremony is over. Monu you must open on the day of the marriage Katoanga (Festival or Celebration).”
The sun pushed the piece of black cloud away and returned Sisimataela’a to the rock. Tied to the rock was a boat with the parcels. Sisimataela’a stepped into the boat and began to paddle. As he paddled he felt a great craving to know what was in the packet Mala. Finally he could no longer restrain his curiosity. So he lifted the corner of the wrapping and peeked into the package.
Suddenly there were bolts of lightening and great crashes of thunder, and the sea became very rough. The wind blew, and he waves tossed the little boat to and fro like a coconut shell being thrown about in the waves. Earthquakes shook the sea. What a frightening experience! It was as if Pulotu, the underworld, had opened its door and released all the evil spirits which dwelt there so they might wreak havoc in the world of men.
Sisimataela’a’s boat sunk in the storm. But he was able to tie the two packets around his neck and swim with them.
Poor Sisimataela’a! He swam and swam until he became very tired and exhausted. He tried to swim on but soon realized that he could not make it to shore because the sea and the wind were so much against him. Finally he gave up and floated on his back like a banana leaf. He could no longer swim. So he drifted with the tide.
The sun looked down and, seeing his son’s plight, took pity on Sisimataela’a and quietedthe wind and the waves. The sea became calm, and the wind instead of blowing against Sisimataela’a turned around and gently pushed him against the shore. At last he was laid on the beach near the house of his mother. He was still alive but unconscious after his ordeal.
Fataimoeloa, his mother, saw himandran to the beach. She very gently massaged him until he regained conciousness. Then she brought him into her little house. How tenderly she cared for him! How she fondled him! For indeed he was her only child. To her he was no longer a grown up man but was still her baby.
Sisimataela’a rested for only a few days, then loaded his boat and set out with his mother for Tongatapu. They took only their bedding and the two packets. When they arrived at Mua the people all flocked to the beach to see what gifts they had brought for the wedding. They were very surprised to see that the mother and son had brought only their bedding and two small packets with them. “Look!” the people said to one another. “How poor is the man who is to marry the princess!”
The chiefs worried about the apparent poverty of Sisimataela’a and his mother and had doubts about the wisdom of the union. But Fatafehi was impatient and regretted the need for the long preparations. She wished the marriage could take place straight away so she could feel that she belonged to her husband and he to her.
When the day of the marriage ceremony came Olotele, the compound of the Tu’i Tonga, was full of excitement and noise, and the harbour was jammed with outrigger boats coming from all over Tonga to join in the wedding celebration of the Tu’i Tonga’s daughter. The only possession of Sisimataela’a’smother was a Kie Tonga, a very finely woven mat, which she had made herself. All the people were in a state of excitement and wondering how those two poverty stricken people would receive the Tu’i Tonga’s Koloa, mats and Tapa cloth used in ceremonial exchanges. Tapa is a painted cloth made from the inner bark of the paper maulberry tree.
Everything was in its proper ceremonial place and was now ready. Even the ‘Epa, a bed of Tapa cloth and mats, was ready to receive the bride and groom. Word was sent out to Sisimataela’a that he should come because the Umu, the earth ovens, were about to be opened and the food laid out for the guests.
Sisimataela’a then tookthe parcelMONU and unwrapped it. Suddenly there appeared a huge Falehau, a large house for the chief, that stretched from Kolongahau, the harbour, to Fue, a place in Mua, and it was filled with all kinds of Tongan Koloa. A multitude of people came into being, taking the koloa and the umu to the King’s property.
There was such a large amount of food and gifts that it almost covered the whole town of Mua. The King’s people were amazed at what they saw, and they realized that it had all been done by some supernatural power.
Fataimoeloa then made a Vakai, a garment used on special occasions, for Sisimataela’a, and she put the Kie Tonga that she had made earlier on top of the vakai. From that time on the Kie Tonga has been worn on top of the wedding vala.
Thus at this wedding the Koloa and Umu of the groom’s party were far greater than those of the bride’s people. When Sisimataela’a’s people brought their offerings the Tu’i Tonga told them: “After you have put your Umu and Koloa in place you may all come and sit in the ‘Alofi,” the ceremonial kava circle usually reserved for chiefs. That is why even now the decendants of these people can sit in the ‘Alofi after they have made their presentations. They were given this privilege because they were considered to be supernatural beings.
When all the wedding ceremonies were over Sisimataela’atook the packet Mala and opened it. There blew at once a strong wind which cleared the town of all the rubbish left over from the festivities. It also took away the Falehau. But the people whom Monu had brought were left to care for Sisimataela’a.
And so Sisimataela’a and Fatafehi lived happily at Olotele. In time Fatafehi had a beautiful baby boy, and they named him Fakatou’io, which means “yes to both.” The name was given because if anyone asked: “Is he a god?” the answer would be “yes”. And if anyone asked: “Is he a human?” the reply would also be “yes.”
Sisimataela’a was happy at Olotele. But now that he had a son of his own he felt an ambition to build a place where his son could be a chief and leader. One day he approached the Tu’i Tonga with his request and spoke:
“Oh Great Sky of all Tonga! May the sun shine on your humble servant so that this request is kindly received. I pray that I may be allowed to take both, the treasure Fatafehi whom you have seen fit to bestow upon me, and my son to the island from whence I came – there to bring up my son to serve you.”
The Tu’i Tonga granted his request, and the son of the sun returned to Uiha with his family. There they established the village of Felemea. All the people whom his father, the sun, had provided him with through Monu also went with them to live there and to serve them.
From this story originated a saying well known in Tonga: “Alu ‘alu ‘i mala kae tau ki monu.” It literally means “Walking in misfortune and ending up in fortune.”
The story also explains the meaning of the name of the village of Felemea. It was named so from the words “fele e me’a” meaning “jumble of things,” because the Umu and Koloa at the wedding were so numerous that they appeared to be a huge jumble of things.
And would you like to know what else happened to Sisimataela’a and Fatafehi? If they have not died they will live ever after. And I returned from the wedding party with a big bag of freshly caught fish.
Postscript:
This is Tupou Posesi Fanua, the lady who witnessed all this and wrote it down in the Tongan language. She now resides in Paradise and the sun shines on her and warms her forever.
This story has been collated exclusively for the enjoyment of family and friends and not for any commercial purposes.